
Warum "gute Vorsätze" oft jetzt schon verpufft sind...
... und warum das im Prinzip gar keine Rolle spielt.
Bist du auch jemand, der gerne zum Jahreswechsel Vorsätze für den Alltag fasst – und bist dann, nicht zum ersten Mal, schon nach wenigen Tagen frustriert darüber?
Viele merken gerade: „Ach nein, da sind sie doch schon wieder, meine ungeliebten, alten Muster. Ich wollte sie doch eigentlich so gerne ablegen!“ Oder: „Mensch, wieso bekomme ich das einfach nicht hin mit dieser einen sportlichen Gewohnheit, die ich schon so lange so gerne hinzufügen möchte?“
Dieser Artikel befasst sich damit, warum wir die guten Vorsätze so toll finden, warum sie meistens jetzt nicht so gut funktionieren und wie wir unser Leben aber trotzdem formen und gestalten, mehr oder weniger bewusst.
Die Feiertage mit ihrem Glitzer und die kleine aber feine Auszeit zwischen den Jahren liegen gefühlt schon wieder meilenweit hinter uns, der Alltag fordert uns seit einigen Tagen wieder in die Spur.Das Wetter allerdings funkt gehörig dazwischen. Nicht Wenige sind krank, schleppen sich, in warme Kleidung gestopft, vor die Tür und fluchen darüber, dass zusätzlich zu Allem, was sonst noch so läuft, jetzt auch noch Schnee geräumt werden will und wie spät es doch hell, wie schnell es schon wieder dunkel wird.
Und dann war da ja auch noch die Sache mit „den guten Vorsätzen fürs Neue Jahr“ und dieser Idee, vielleicht doch einmal „die beste Version meiner Selbst“ zu werden…
Um hier vielleicht ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, hilft es, einmal genau auf die beiden Begriffe „Vorsatz“ und „Wunsch“ zu schauen. Es gibt nämlich einen gar nicht so kleinen aber sehr feinen Unterschied zwischen Vorsatz und Wunsch. Darauf bin ich ganz allmählich gekommen. Und besonders im Januar wird das immer wieder spürbar. Ich, für meinen Teil, liebe es, über den Jahreswechsel und darüber hinaus, Wünsche zu formen und gen Himmel zu schicken. Das Ding mit den Vorsätzen hingegen habe ich seit einigen Jahren feierlich verabschiedet.
Vorsatz vs. Wunsch
So wie ich das zusammenfassen würde, funktioniert ein Vorsatz folgendermaßen: Man fragt sich, was im Leben optimierbar wäre, folgert daraus eine passende Handlungsweise, die ebendies unterstützt, und dann verspricht man sich (hoch und heilig), diese „durchzuziehen“ – dranzubleiben, zu bewachen, keinen Moment davon abzuweichen. Oftmals geht es dabei auch um ein „Unterlassen“ von etwas. Je besser ich kontrolliere, desto optimierter schließlich das Resultat. Bei Maschinen funktioniert diese Prämisse – wir allerdings sind Menschen.
Wünschen geht völlig anders. Für das Wünschen brauche ich zunächst einmal den richtigen „Vibe“: dieser entsteht garantiert, wenn man Kinder beobachtet, wie sie, mit der Zunge im Mundwinkel, einen wilden, bunten Wunschzettel kritzeln, malen, präzisieren und ungebremst einfach alles aufs Papier bringen, was ihr Herz höherschlagen lässt! Kinder wünschen unverschämt, im allerbesten Sinne. Und wenn sie genug gewünscht und ausgemalt haben, fliegt der Zettel in die Ecke und wird vergessen.
Ein Wunsch ist immer positiv belegt. Ich wünsche mir etwas „hinzu“, was jetzt noch nicht da ist – vielleicht noch nicht einmal denkbar.
Da ist schon ein Unterschied spürbar – oder? Wenn ich das Wörtchen „Vorsatz“ höre oder das Wort „Wünschen“.
Wunschbilder oder Visionen können wir jetzt, in der „dunklen Jahreszeit“, empfangen und erlauschen – wofür es Stille braucht – um sie unserem Leben leise zuzuflüstern. Das ist Wünschen: Bilder vor dem inneren Auge und im Herz-Raum entstehen lassen. „Wie hätte ich es gerne?“
Und dabei ruhig ein wenig unverschämt sein, ohne sich sofort wieder zu begrenzen.
Wenn ein Wunsch im Herzen geglitzert hat, ein Brausepulver-Gefühl im Bauch und ein Strahlen im Gesicht ausgelöst hat, braucht er nur noch ein wohliges „Ja“, um dann dankbar losgeschickt zu werden. Dann freut man sich einfach über seine eigene Großartigkeit, und wie gut man doch wünschen kann, dreht sich um und vergisst das Ganze am besten in gutem Vertrauen.

Raum, Zeit und Dankbarkeit
Beim Wünschen lasse ich los – so, wie den Samen unter der Erde, von dem ich nichts mehr mitbekomme, bis er keimt.
Ein Wunsch braucht Zeit, und er braucht Raum.
Wenn ich innerlich übervoll bin mit Terminen, Ansprüchen, Aufgaben und der Überzeugung, dass ohnehin alles immer nur schlechter wird – wie, soll dann etwas Neues in mein Leben wachsen? Platz zu machen heißt, einen Schritt zur Seite zu treten, langsamer zu werden, mich nicht ganz so wichtig zu nehmen, vielleicht alles mal wieder mit etwas mehr Humor zu betrachten…
Entwicklung geschieht allmählich und leise. Alle, die schon einmal die Ehre hatten, einem Leben beim Wachsen und Zur-Welt-Kommen beiwohnen zu dürfen, wissen das. Leben bleibt ein Wunder, und dass dieses geschieht, ist letztlich nicht erklärbar – bis heute. Und ebenso keimen und gedeihen viele Wünsche ganz leise und heimlich vor sich hin, dass unsereins die Erfüllung gar nicht wirklich mitbekommt, geschweige denn: würdigt.
Wer Vorsätze fasst, greift oft zur Hau-Ruck-Strategie. Die trägt eine Weile, kippt dann – und hinterlässt meist Selbstvorwürfe.
Leben, Körper und Umstände bremsen da oft ab: „Jetzt nicht. Gib dem Ganzen bitte mehr Zeit und Würde.“
Das bedeutet überhaupt nicht, seine Vision wieder in den Wind zu schießen. Nein: Es bedarf, den richtigen Raum zu schaffen – und Raum ist auch Zeit.
Ganz wichtig ist natürlich noch die Frage, ob besagter Vorsatz, nun auch wirklich der eigene ist. Das lässt sich leicht herausfinden, indem man ihn sich vorspricht und dabei auf die körperliche Reaktion achtet. Nicht Wenigen fielen auf diese Art schon Schuppen von den Augen, während sie erleichtert ausriefen: „Das ist ja gar nicht meins!“ – Ja, da braucht es dann auch niemanden zu wundern, wenn es nicht klappt mit der Umsetzung. Ist dann auch nicht weiter schlimm.
Auch ohne all das wünschen wir alle uns sowieso ständig in ein besseres Leben. Ich bin davon überzeugt, dass normalerweise unser Unbewusstes immer dafür sorgt, uns in bessere Lebens-Umstände zu bewegen. Hierzu ist es hilfreich, einfach mal den eigenen Komfort von heute mit dem von vor 10-20-30 Jahren zu vergleichen.
Und da kommt eine oft unterschätzte Tugend ins Spiel: Dankbarkeit.
Sie öffnet die Sinne für Wunder um mich herum, für Wünsche, die sich bereits erfüllt haben, mannigfach. Aber ja: Es gibt Phasen, in denen das schwerfällt, etwas zu finden, für das man danken kann. Und genau dann ist es so lohnend, Dankbarkeit bewusst zu kultivieren – freundlich und stetig. Dankbarkeit ist eine Super-Kraft, meine ich. Und sie hilft interessanterweise enorm dabei, Wünsche ins Leben zu rufen.
Dann gibt es da auch noch diese Erlaubnis: Ich darf neu anfangen, immer wieder… Und wieder genügt ein Blick zu Kindern: Wenn sie laufen lernen – oder so vieles andere – wie unsagbar oft „scheitern“ sie? Und doch machen sie einfach weiter. Der Blick bleibt auf dem, was sie wollen, bis es irgendwann ganz selbstverständlich gelingt.
Vielleicht dürfen auch wir vermeintlich Erwachsenen uns genau das erlauben: immer wieder neu anfangen, es noch einmal versuchen, etwas nochmal wünschen, dran glauben, es wollen.

Januar-Rhythmus...
Im Winter ticken die Uhren anders.
Unser Metabolismus passt sich der Kälte und der Dunkelheit an.
Es ist weniger Licht da, weniger äußere Energie als im Sommer.
Bauern und Gärtner wissen das.
Sie wissen, dass jetzt vielleicht schon Samen in die Erde gelegt werden können –
und dass sie dennoch warten müssen.
Warten auf Frühling.
Auf Licht.
Auf Wärme.
Erst dann beginnt der Same zu keimen,
erst dann findet er den Weg an die Erdoberfläche
und fängt an, sichtbar zu wachsen.
Und mit der Kraft, die dann zur Verfügung steht,
sprießen nicht nur die Blumen auf der Wiese –
sondern auch die Umsetzungen unserer Visionen.
Ein neues Jahr beginnt.
Es ist kein Zufall, dass wir diesen Anfang hierzulande in der – aus Sicht der Natur – stillsten Zeit des Jahres feiern. Die Frage ist nicht, was wir uns vornehmen, was wir in unser Leben holen möchten, sondern wie wir dabei mit uns selbst und mit unseren Wünschen umgehen.
Wie oft treten wir gerade jetzt mit viel zu harten Erwartungen an uns selbst heran und überfordern uns damit buchstäblich direkt zum Jahres-Beginn? Und wie oft sind wir einfach insgesamt viel zu ungeduldig?
Wie wäre es stattdessen, in diesem Jahr ganz bewusst erst einmal einen Gang herunterzuschalten, tief durchzuatmen, und zu lauschen, was gerade wirklich dran ist…
Wie wäre es, einfach mal jetzt, mit einem schweifenden Blick der Dankbarkeit über mich und meine Lebens-Umstände – und einfach so, in diesem Moment, mit einer Extra-Portion Wünsch-Kraft?
(Gute Fee mit Sternenstaub-Zauberstab inclusive.)
Christine, 14.01.2025

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